Zu Beginn so begeistert von der neuen Freiheit, die uns das Mietauto bringt, musste ich bald feststellen, dass die Art des Reisens damit wirklich nicht mein Fall ist.
Ich beklage mich nicht über den Komfort und den zusätzlichen Stauraum, der uns unser Toyota beschert, denn diese sind sehr willkommen; vielmehr widerstreben mir die Geschwindigkeit und die Oberflächlichkeit des Unterwegsseins damit. Als wir ohne Auto reisten, überlegten wir uns zwei Mal, ob der jeweilige Ort auch die Strapazen wert sei und ob wir diesen Weg wirklich auf uns nehmen oder unsere Kräfte lieber für anderes einsetzen wollten. Mit dem Auto stellen sich solche Fragen kaum mehr, da man nur das Gaspedal drücken und die vorgesehene Richtung einschlagen muss.
Am Ziel angekommen, hüpft man schnell aus dem Auto, sieht sich die Sehenswürdigkeit an, macht ein paar Fotos und setzt sich wieder zurück in den bequemen Sessel. Draussen hat man kalt, es windet oder regnet, und eigentlich denkt man an das komfortable Auto und verspürt vielmehr den Drang, zurück zu gehen, als dass man dem Ort die verdiente Aufmerksamkeit widmet. Wieder einen Punkt mehr abgehakt auf der Sightseeing Liste; aber was hat man von der Erfahrung? Schnell wieder einige Kilometer weiter, immer vorwärts, durch die Landschaft brausen, der nächsten Sehenswürdigkeit entgegen.
Ich übertreibe natürlich. Trotzdem ist viel Wahres an dieser Beobachtung meines Verhaltens und meiner Gefühle. Beim Reisen mit dem Auto kommt meine Seele nicht ganz mit, es geht zu schnell und da bleibt kaum Raum um das Gesehene zu verarbeiten.


Zum Glück haben wir Neuseeland nicht nur auf Rädern, sondern auch zu Fuss entdeckt: Die tiefsten Erinnerungen und stärksten Emotionen bleiben doch von den Wanderungen, die wir unternommen haben. Meist waren es Tagesauflüge hinauf zu einem Gipfel, um die Aussicht zu geniessen. Die körperliche Anstrengung, die frische Luft, die Geräusche von plätschernden Bächlein, dem Wind in den Baumkronen und, mit etwas Glück, singenden Vögeln — alle diese Komponenten lassen mich fühlen und präsent sein im Hier und Jetzt. Die Belohnung auf dem Gipfel — Aussicht, Schoggi und Studentenfutter — und die Genugtuung des Selbsterreichten sind die Anstrengung wert. Ich bin umgeben von der Natur, bin Teil von ihr.
Das ist Freiheit. Nicht eingepfercht sein in einem Auto, wo man nur den Motorenlärm hört und die Landschaft am Fenster vorbeifliegt.
